Ich habe mein PayPal-Konto geschlossen. Der Schritt war überfällig – aus Gründen des Datenschutzes, der digitalen Souveränität und wegen der zunehmenden Kommerzialisierung persönlicher Daten.

Im Frühjahr 2025 hatte PayPal angekündigt, ins Werbegeschäft einzusteigen. Der Zahlungsdienstleister verfügt über enorme Mengen persönlicher Informationen – von Einkaufsgewohnheiten über Standorte bis hin zu Spenden und sozialen Kontakten. Dass diese Daten seitdem für Werbezwecke verwendet und an Dritte weitergegeben werden, überschreitet für mich eine klare rote Linie. Ein juristisches Gutachten (PDF) zeigt, dass die neue Praxis möglicherweise gegen europäisches Datenschutzrecht verstößt.
PayPal ist ein globaler Zahlungsdienstleister mit über 434 Mio. Nutzern in 200 Märkten und dominiert den E-Commerce in Deutschland (92% der Anbieter nutzen PayPal). Das Unternehmen sammelt umfangreiche Transaktionsdaten, die über normale Banküberweisungen hinausgehen, um sie für Werbezwecke und Betrugsprävention zu nutzen.
Das Gutachten von Karin Schuler und Thilo Weichert (10.12.2025) analysiert den Datenschutz bei PayPal. Kritische Punkte sind die Speicherung biometrischer Daten, unklare Einwilligungen und Datenschutzvorfälle wie der Verkauf von 15 Mio. Nutzerdaten im Darknet (August 2025). PayPal nutzt Daten für Werbung und Betrugsprävention, steht aber kaum im Fokus der Datenschutzaufsicht.
Rechtlich wird der Grundrechtsschutz digitaler Finanztransaktionen betont: Recht auf informationelle Selbstbestimmung (Art. 8 GRCh, Art. 2 GG) und Telekommunikationsgeheimnis (Art. 7 GRCh). Die DSGVO und PSD2 gelten für PayPal, wobei Verantwortlichkeit und Datenverarbeitung zentral sind. Die luxemburgische Datenschutzbehörde CNPD ist zuständig, prüft aber kaum inhaltlich.
Verbraucherschutzorganisationen wie der vzbv kritisieren PayPals AGB und mangelnde Transparenz, die Verbraucher benachteiligen. PayPal agiert als Finanzdienstleister mit lukrativen Angeboten wie Kreditvergabe und Vermögensverwaltung.
Das Gutachten fordert stärkere Regulierung und Kooperation der Aufsichtsbehörden, um Datenschutzrisiken durch PayPal zu minimieren und die digitale Souveränität der Nutzer zu wahren. PayPal sammelt Transaktionsdaten, die für manipulative Werbung und Bonitätsbewertungen genutzt werden können.

Doch es geht nicht nur um die juristische Bewertung, sondern um ein grundsätzliches Misstrauen gegenüber der digitalen Abhängigkeit von US-Diensten. Als Nutzer in Europa möchte ich selbst bestimmen, wer meine Daten verarbeitet und zu welchem Zweck. PayPal zeigt exemplarisch, wie bequem gewordene Plattformen unsere Privatsphäre preisgeben, sobald sich daraus ein neues Geschäftsmodell entwickelt.
Stattdessen könnt ihr mir nun über den europäischen Dienst WERO, den auch deine Hausbank sicherlich schon anbietet, Geldbeträge unkompliziert zukommen lassen:
WERO nimmt Transparenz und Datenschutz ernst. Für Händler:innen ist WERO inzwischen auch verfügbar.
Ein Userkonto bei einem Internet-Dienst zu schließen ist zwar nur ein kleiner, aber dafür notwendiger Schritt – hin zu mehr Selbstbestimmung im digitalen Raum.