Das Grimme-Institut hat die Nominierungen für den Grimme Online Award 2026 bekannt gegeben: 28 Netzangebote aus fast 600 Einreichungen, vorgestellt bei der re:publica in Düsseldorf. Das Publikumsvoting läuft seit dem 16. Oktober, die Preisverleihung findet am 1. Dezember in Essen statt.

Auch in diesem Jahr ist die Liste ein bunter Mix – von unabhängigen Blogs und zivilgesellschaftlichen Initiativen bis hin zu Angeboten großer Medienhäuser und Plattform-Kanäle. Wer wie ich den Publikumspreis vergeben möchte, steht also vor der Wahl. Hier meine drei Empfehlungen und ein paar Gedanken dazu, wem ich meine Stimme bewusst nicht gebe.
Meine Favoriten
1. DI.DAY – Digital Independence Day
Der DI.DAY stellt jeden ersten Sonntag im Monat in „Wechselrezepten“ Alternativen zu den großen Plattformen und Streaming-Diensten vor. Niedrigschwellig, praktisch und ohne erhobenen Zeigefinger: Wer sich von der Abhängigkeit von großen Tech-Konzernen lösen möchte, findet hier konkrete Lösungen. Genau diese Art von digitaler Selbsthilfe braucht das Netz.
2. brandmelder – Klima braucht Kontext
Klimaberichterstattung, die einordnet, statt nur zu alarmieren: Der Blog „brandmelder – Klima braucht Kontext“ widmet sich den Hintergründen der Klimakrise und ordnet aktuelle Meldungen sachlich ein. In Zeiten, in denen Klimaforschung immer wieder angegriffen wird, leistet der Blog wichtige Arbeit.
3. Initiative zur Rettung des Informationsfreiheitsgesetzes (FragDenStaat)
Das Informationsfreiheitsgesetz (IFG) ist eine der wichtigsten Grundlagen für investigative Recherchen – unzählige Enthüllungen der letzten Jahre beruhen auf IFG-Anfragen. Die Initiative von FragDenStaat kämpft für seinen Erhalt, nachdem das Bundesinnenministerium das Gesetz zur Disposition gestellt hat. Wem Transparenz und Pressefreiheit wichtig sind, sollte dieses Projekt unterstützen.
Wem ich nicht meine Stimme gebe
Die Liste enthält auch eine Reihe von Angeboten auf Big-Teck-Kanälen oder haben kommerzielle Hintergründe: Kanäle auf Instagram, YouTube und TikTok, Projekte von Spiegel und Tages-Anzeiger und mehr. Vieles davon mag gut gemacht und inhaltlich wichtig sein – aber ein Preis für publizistische Qualität im Netz sollte meiner Ansicht nach diejenigen stärken, die es nicht leicht haben: unabhängige Projekte, Initiativen ohne Marketing-Budget, Angebote abseits der großen, algorithmengesteuerten Plattformen.
Ausgerechnet die Nominierungskommission weist selbst darauf hin, dass kommerzielle Plattformen die Gestaltung von Online-Publizistik künstlich begrenzen: Algorithmen und Verlinkungsverbote prägen, wie Inhalte aussehen dürfen. Umso mehr spricht dafür, den Preis dorthin zu vergeben, wo publizistische Qualität nicht vom Plattform-Algorithmus abhängt.
Fazit
Meine Empfehlung fürs Publikumsvoting: DI.DAY, brandmelder und die Initiative zur Rettung des Informationsfreiheitsgesetzes. Alle drei stehen für ein Netz, das unabhängig, transparent und reflektiert ist. Das Voting läuft seit dem 16. Oktober – jede Stimme zählt!
Abstimmen kannst du bis zum 16. November 2026, 11:00 Uhr, auf grimme-online-award.de.
Linktipps
Die direkten Links zu meinen „Grimme Online Award 2026“-Empfehlungen: