Mann, was für ein Tag. Fünf Tage ist das jetzt her und ich glaube, ich hab immer noch Gänsehaut.

Kurz für alle, die’s verpasst haben: Am Donnerstag war Fronleichnam und es war NATO-Gipfel in Bonn. US-Präsident Ronald Reagan war persönlich da und weil die halbe Innenstadt Bannmeile war, wurde die Riesen-Demo gegen den NATO-Doppelbeschluss auf die Rheinwiesen rüber nach Beuel verlegt. „Aufstehn! Für den Frieden“ hieß das Ding. Ich hab keine Ahnung, wie viele da waren – die einen sagen 350.000, die anderen eine halbe Million. Auf jeden Fall: wahnsinnig viele Menschen.
Ich wohne am westlichen Stadtrand von Bonn und bin ganz normal mit dem Bus reingefahren. Das war schon irre – der Bus war proppenvoll, alle irgendwie unterwegs Richtung Demo. Am Bertha-von-Suttner-Platz bin ich ausgestiegen und hab mich im Strom mitziehen lassen. Also: STROM ist das richtige Wort. Man musste gar nicht wissen, wo’s langgeht, man ist einfach mitgeschwommen. Über die Kennedybrücke, rüber nach Beuel, und die ganze Zeit Menschen, Menschen, Menschen, so weit man gucken konnte. Banner, Transparente, Papp-Schilder, Pfeifen, Trommeln. Sowas hab ich noch nie gesehen.
Und dann: BAP!
Ich dachte, die Demo wird aus Reden, Reden, Reden bestehen. Klar, Dorothee Sölle und Heinrich Böll und die ganzen Promis waren angekündigt und da, das war auch okay. Aber zwischen den Reden gab’s ein Musikprogramm auf der Bühne – und auf einmal standen sie da. BAP! Wolfgang Niedecken! Klaus „Major“ Heuser! Manfred „Schmal“ Boecker! Alexander „Effendi“ Büchel! Steve Borg! Wolfgnag „Wolli“ Boecker! Hans „Dä Fonz“ Wollrath! Alle!
Ich lasse schon seit Wochen „für usszeschnigge!“ rauf und runter laufen und jetzt standen die Jungs ein paar hundert Meter von mir entfernt auf der Bühne mitten am Rheinufer. Mein erstes BAP-Konzert, Leute. Und dann gleich SO eins – eine halbe Million Menschen auf ’ner Wiese am Rhein, alle mit demselben Gefühl: Hier stimmt was nicht, und wir lassen uns nichts gefallen.
So’n Ding prägt
Und das Beste: Das war quasi vor meiner Haustür, vor der BAP-Haustüre. Klar, aus Köln sind die, aber Bonn liegt ja um die Ecke. Kölsch-Rock auf der Beueler Rheinwiese – für mich gehört das jetzt einfach zusammen: BAP und Friedensdemo.
Frau Sölle hat auf der Schlusskundgebung noch so’n Satz gesagt, den hab ich mir behalten: „Wir haben eine andere Idee von Freiheit, Mr. Reagan, und wir haben eine andere Idee von der Bergpredigt, Herr Bundeskanzler.“ Starkes Ding.
Ob die Politik jetzt auf uns hört? Keine Ahnung, ehrlich gesagt. Die Raketen werden trotzdem kommen. Aber egal – ich hab da was gelernt: Musik und Politik, das geht zusammen, ohne dass es nach Propaganda klingt. BAP hat da gespielt, weil sie das WOLLTEN. Und ich war dabei.
Wenn ich demnächst wieder die „für usszeschnigge!“-Kassette in den Kassettenrekorder reinschiebe, dann bin ich sofort wieder gedanklich auf der Beueler Rheinwiese.
Und das Beste: Für in gut drei Wochen habe ich ein Ticket zum Stones-Konzert im Müngersdorfer Stadion, wo BAP als Vorband auftreten wird.